Was die US-Wahl mit Inklusion zu tun hat?

Liebe Inklusoren*Innen,

auch wenn Ihr es mittlerweile wahrscheinlich nicht mehr hören könnt, weil sich die Welt nur noch um die US-Wahl zu drehen scheint, im heutigen Film trotzdem ein kurzer Gedanke von Yascha Mounk (Autor von Das große Experiment: Wie Diversität die Demokratie bedroht und bereichert. Der Bestseller-Autor von „Zerfall der Demokratie“ über Diversität) zu den Gründen, was die US-Wahl auch mit Inklusion zu tun hat. Oder was denkt Ihr?

Der Spiegel schrieb dazu, wen es interessiert:

Barack Obama wurde von Schwarzen und anderen Minderheiten gewählt, weil sie sich durch ihn repräsentiert fühlten. Bei Kamala Harris funktioniert das nicht. Für Veränderung steht diesmal ausgerechnet Trump. Wie beliebt soziale Bewegungen wurden, hing schon immer davon ab, ob sich ihre großen Ideen in knappe Slogans gießen lassen. Einer, der in den vergangenen Jahren besonders in den sozialen Medien viel zu lesen war, lautet: ‚Representation matters‘ – ‚Repräsentation zählt‘. Repräsentation macht Diversität sichtbar. Damit verbunden ist auch die Überzeugung, dass es einen Einfluss auf die eigene Identität und Zukunft hat, ob man sich in einem Bereich, sei es Politik, Wirtschaft oder in den Medien, wiedererkennen kann oder nicht. Wird die eigene Perspektive mitgedacht? Ist man dazu eingeladen mitzusprechen? Lautet die Antwort ja, wird man mit gestärktem Selbstbewusstsein den eigenen Interessen nachgehen und sich im besten Fall gesellschaftlich engagieren, weil man sich zugehörig fühlt. Das führt zu mehr Zusammenhalt, Kreativität und Gleichberechtigung. Ist die Antwort nein, verliert man schnell das Interesse an gesellschaftlicher Teilhabe oder entwickelt vielleicht nie eines. Die Folge: Parallelgesellschaften, Spaltung und Ungerechtigkeit. So zumindest das Argument derjenigen, die sich für mehr sichtbare Vielfalt einsetzen. Das Vorhaben, Politik diverser zu gestalten, ist in den USA vor allem bei Demokraten beliebt. Und damit fuhren sie lange ziemlich gut…Als Obama dann tatsächlich zum Präsidenten gewählt wurde, war das ein Meilenstein in der Vielfaltsbewegung. Zu seinem Wahlsieg hatten vor allem Schwarze Menschen, Lateinamerikaner:innen und queere Menschen beigetragen. Oder anders gesagt: Menschen, die selbst von struktureller Diskriminierung betroffen sind. Die Kandidatur von Kamala Harris hätte auch so ein Moment sein können. Harris’ Wahl wäre historisch. Sie wäre die erste Frau, die erste schwarze Frau und die erste südasiatische Person in der Geschichte der USA, die das Land regieren würde. Kamala Harris aus Oakland, Kalifornien, die ihren Abschluss nicht in den üblichen Präsidentenschmieden wie Harvard oder Yale gemacht hat, sondern am historisch Schwarzen College Howard University. Sie ist die Erste in ihrer Familie, die in den USA geboren wurde, das Kind einer Mutter aus Indien und eines Vaters aus Jamaika. Wenn jemand den Traum eines diversen gleichberechtigten Amerikas vertreten kann, dann Kamala Harris. In den ersten Wochen ihrer Kampagne schien es so, als könnte sie die Euphorie der Obama-Ära wieder aufleben lassen. Aber stattdessen liegen Harris und Trump momentan nahezu gleich auf. Ein weißes, heterosexuelles, patriarchales, christliches Amerika. Wenn das nicht Identitätspolitik ist. Trump stilisiert sich zum Retter einer Identität, die er als bedroht darstellt, weil ihre Dominanz unter der Vielfaltsbewegung geschrumpft ist. Es stellt sich heraus: ‚Representation matters‘, auch für Republikaner. Denn viele Konservative beschweren sich darüber, dass sie sich nicht mehr in der Welt widergespiegelt sehen und keine Vorbilder mehr haben, obwohl sie immer noch zuhauf in Entscheidungspositionen vertreten sind. Und ausgerechnet Trump, der Milliardär, steht für viele Amerikaner:innen für Anti-Elitarismus: Er repräsentiert den Frust, das Misstrauen und die Wut, die sich über die vergangenen Jahre gegenüber Politiker:innen aufgebaut hat. Das liegt zum Teil an leeren, nie eingelösten Versprechen der Politiker:innen, aber auch daran, dass progressive Politik als Sündenbock für alles, was in diesem Land schiefläuft, herhalten muss. Ähnlich wie Obama ist Trump zum Hoffnungsträger erwachsen, nur für einen völlig anderen Teil der Bevölkerung. Einen Teil, der einerseits genug von Elfenbeinturmpolitik hat und andererseits den Elfenbeinturm wieder für sich beanspruchen will. Wenn er, Donald J. Trump, ein Nichtpolitiker, ein Krimineller, ein Lügner und Betrüger mit all seinen Fehlern davonkommt und Präsident werden kann, dann können es alle schaffen.

Und wie immer: Wenn euch der eine oder andere Film/Blog gefällt, besucht doch meine Blog-Seite www.inklusions-tv.de, abonniert meinen youtube.com/@inklusions-tv oder drückt mir bei Facebook https://www.facebook.com/InklusionsTV/ einen Daumen nach oben.

©Goldi

P.S.: Vielen, lieben Dank auch an https://www.youtube.com/@srfkultursternstunden für das Video.