Liebe Inklusoren*Innen,
eine Schule in Sachsen wirbt für Toleranz – einen Wert, den dort NICHT alle Schüler teilen. Für seine Lust am Experimentieren und seinen Willen, Kinder und Jugendliche zu Gestaltern ihrer Schule zu machen, wurde das Evangelische Schulzentrum beim Deutschen Schulpreis gerade mit dem Themenpreis Demokratiebildung ausgezeichnet. Thorsten Bohl, Sprecher der Jury und Erziehungswissenschaftler in Tübingen, sagt, dass Begriffe wie ‚Soziokratie‘ und ‚Konsentierung‘ an der Schule mehr als Buzzwords seien. „Schülerinnen und Schüler erleben täglich, wie Aushandlungsprozesse funktionieren.“ Ziemlich friedlich liegt das Evangelische Schulzentrum Muldental (im Video der Tag der offenen Tür 2019), im sächsischen Großbardau, inmitten von Einfamilienhäusern; ein paar Schritte weiter Felder und Wald. Auf den Fluren winken sich Lehrer und Schüler zu, alle duzen sich, bis in die Oberstufe hinein. Die Erwachsenen sind nah dran an den Kindern, wissen, in welchen Familien es Stress gibt, Trennung, Krankheit. „Hauptfach Mensch“, das Leitbild der Schule, soll hier keine Floskel sein und hier wird weit vorausgeblickt – und vorgesorgt. Aber lassen sich durch Mitbestimmung und Beziehungsarbeit Persönlichkeiten formen, die in einem zunehmend aufgeladenen politischen Klima an demokratischen Positionen festhalten? In der Stadt Grimma, zu der Großbardau gehört, bekam die AfD bei der Bundestagswahl rund 40 Prozent (Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-02/bundestagswahl-wahlergebnisse-gemeinden-wahlkarte). Bei den Juniorwahlen am Evangelischen Schulzentrum erreichte die Partei ebenfalls hohe Werte. „Auch unsere Schüler wachsen zum Teil in Elternhäusern auf, die der AfD nahestehen“, sagt Nora Widera, die Geschäftsführerin des Schulzentrums. Für Demokratie und gegen Extremismus einzustehen: Dafür braucht es gerade in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands oft mehr Zivilcourage als im Westen. Vielfalt, Toleranz, Inklusion – die Werte der Schule werden nicht von allen Schülerinnen und Schülern geteilt. Wie aber bleibt man in polarisierten Zeiten noch eine Gemeinschaft, wie geht man miteinander um? Jonas, 17: „Bei manchen Leuten weiß man, das bringt nichts, wenn man da drauf eingeht. Dann werden sie noch provokanter.“ Justus, 15: „Wir wollen hier niemanden ausgrenzen. Viele verbreiten diese dummen Sachen doch nur, weil es die anderen auch machen.“ Clemens, 16: „Wir sind eine christliche Schule, stehen für Werte wie Nächstenliebe. Es bringt ja nix, wenn wir uns hassen.“ Vor ein paar Wochen hat die AfD auf dem Marktplatz in Grimma ein Sommerfest veranstaltet. Etliche Lehrer hatten sich verabredet, auf die Gegendemo zu gehen. Sie mussten damit rechnen, Eltern und Schülern zu begegnen, die auf der anderen Seite stehen würden. Aber es war niemand zu sehen.
ZUR INFO: Der Deutsche Schulpreis wird von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung vergeben. Der mit 100.000 Euro dotierte Hauptpreis ging in diesem Jahr an die Maria-Leo-Grundschule in Berlin. Den Themenpreis Demokratiebildung erhielten neben der Schule in Großbardau auch die Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule in Karlsruhe und die Schule An der Burgweide in Hamburg.
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©Goldi
P.S.: Vielen, lieben Dank auch an https://www.youtube.com/@eva_schulze_mtl für das Video.
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