Liebe Inklusoren*Innen,
der Feldzug der neuen US-Regierung gegen missliebige Forschung gefährdet auch die Basis jeder Wissenschaft: vertrauenswürdige Daten. Unser Filmbeispiel heute, ein Interview mit Mark Graham (von Internet Archive, San Francisco, USA). In einer ehemaligen Kirche in San Francisco, die mit ihren weißen Säulen einem antiken Tempel ähnelt, führt Mark Graham in einen großen Saal. Dort, wo man Heiligenstatuen erwarten könnte, brummen und blinken schwarze Server in ihren Schränken. In ihnen speichern Graham und seine Mitstreiter eine digitale Kopie des Webs. Die Männer und Frauen formen das Internet Archive, eine gemeinnützige Organisation, die jeden Tag wie ein Datenstaubsauger das Internet durchforstet, Milliarden Webseiten herunterlädt und für die Nachwelt archiviert. So machen sie es seit vielen Jahren. Doch seit Donald Trump regiert, wurden die Digital-Archivare zu Datenrettern. „Wir waren vorbereitet“, sagt Graham. Schon lange hätten sie Pläne geschmiedet und Listen gemacht, welche Informationen sie von Behörden-Websites und öffentlichen Datenbanken vorsichtshalber sichern sollten. Überrascht worden seien sie trotzdem. „Deutlich aggressiver“ als erwartet gehe die Regierung vor. Vier Tage nachdem Donald Trump bei seiner Amtseinführung den Amerikanern ein ‚goldenes Zeitalter‘ versprochen hatte, bekam Jamie Flood eine Mail von ihrem Chef im US-Landwirtschaftsministerium. „Action Required“, lautete die Betreffzeile, Handlungsbedarf! Die Bibliothekarin und ihre Kollegen sollten alle öffentlichen Informationen des Ministeriums einer ‚Inhaltsüberprüfung‘ unterziehen: Internetseiten, Forschungsberichte, Datenbanken, Social-Media-Kanäle. War da von ‚Klima‘, ‚Diversität‘, gar ‚Gleichberechtigung‘ die Rede? Diese Ausdrücke musste sie markieren. Flood, so schildert sie es, habe es mit Umformulieren versucht. Doch viele Seiten, auf denen sie die unliebsamen Begriffe markiert habe, seien schlicht gelöscht worden, egal ob Klimainformationen für Landwirte oder Daten über den Schutzstatus von Wäldern. Das Ministerium reagierte damit auf Dekrete der neuen Regierung. Anders gesagt: In den Vereinigten Staaten dürfen Behördenmitarbeiterinnen einzelne Begriffe nicht mehr verwenden. Auch Wissenschaftler nicht, wollen sie Forschungsförderung einwerben. Jamie Flood wurde zur Zensorin wider Willen. Neben den Klima- und Umweltwissenschaften ist besonders die Gesundheitsforschung betroffen. Unter anderem weil Trump ‚die woke Gender-Ideologie‘ schmäht und damit die LGBTQ-Community angreift, zu der sich rund neun Prozent der Erwachsenen in den USA zählen. Er will das „verschwenderische und schädliche“ Konzept der „Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion“ stoppen. Das geht auf Kosten ohnehin benachteiligter Minderheiten, zum Beispiel schwarzer Menschen, die in den USA eine fünf Jahre geringere Lebenserwartung haben als Weiße. Das US-Gesundheitsministerium und seine Behörden sammeln und veröffentlichen seit Jahrzehnten Informationen, die Fachleute im ganzen Land für die Forschung nutzen, etwa Bevölkerungsstatistiken zur Sterblichkeit von Müttern, zu Gesundheitsrisiken von Jugendlichen oder Daten über Gruppen, die besonders von Armut oder bestimmten Krankheiten betroffen sind. Auch aktuelle Zahlen zu Infektionskrankheiten zählen dazu. Welche Erschütterung der Angriff auf die Wissensbasis darstellt wird damit wohl sehr deutlich oder was meint ihr?
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©Goldi
P.S.: Vielen, lieben Dank auch an https://www.youtube.com/@wikicredvideos8750 für das Video.
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